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(C) Texte und Gedichte von Ingo Denart

Gipsy ("Eine spanische Windhündin")

Sie wird alt, meine treue Freundin...
Was sie wohl alles erlebt hat?

Kaninchenjagden in Spanien...
Verpaart als Gebärmaschine...
Verjagt, als sie nutzlos wurde...
Verprügelt, als sie sich das Fressen zum Überleben stahl...
Verhungert, beinahe...
Vermisst hat sie wohl keiner...
Verdammt zum Tod in einer Perrera...
und jetzt: Verwöhnt in Deutschland.

Hoffentlich kann sie das noch eine Weile genießen.
Verdient ... hat sie es!

Die Feder

Wie eine Feder schwebt sie durch den Raum:
So nah und doch nicht zu erreichen!
Kaum greift man nach dem zarten Flaum,
lässt der Wind sie wieder weichen.

Sie wirbelt strahlend durch die Luft,
ihr Flug ist nicht vorhersehbar.
Zurück bleibt nur ihr süßer Duft,
wo sie eben grad noch war.

Ein jeder will die Feder fangen,
ein wahrer Sturm wird nun entfacht,
Hände schnappen zu wie Zangen,
der weiche Flaum kaputt gemacht.

Und wenn sie dann zu Boden geht,
zerzaust, ihr Kiel beinah' geknickt,
und auch kein einz'ger Wind mehr weht,
wer weiß - ob sich noch jemand bückt?

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Wanderschaft

Ich war auf einer langen Reise,
suchte Zufriedenheit und Glück.
Doch fand ich es in keiner Weise;
verlor den Glauben, Stück für Stück.

Ich wanderte durch dunkle Täler,
mich traf nie
ein Sonnenstrahl.
Hab schon aufgehört zu zählen:
Wie lang dauert diese Qual?

Die Tage kamen, Tage gingen,
doch in mir war's ewig Nacht.
Nichts in mir begann zu schwingen,
das Licht hat sich davon gemacht.

Ich lief weiter, immer weiter,
nur der Schmerz trieb mich voran.
Traurigkeit war mein Begleiter,
doch am Ende kam ich an!

Durch Zufall hab' ich Dich getroffen,
das Schicksal rührte mich wie Donner -
ich hatt' schon aufgehört zu hoffen,
aus Winter wurde wieder Sommer!

Du standst vor mir - Deine Augen
haben mich total entrückt,
und so gabst Du mir den Glauben
an das Leben und das Glück zurück!

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Die Insel

Die Flut kommt heran, sie folgt den Gezeiten:
Mal bricht sie mit tosenden Wogen ans Ufer,
mal steigt sie heimlich aus der Tiefe herauf.
   
Wenn sie zurückweicht, hat sie doch immer
ein Stück Land im Gepäck, welches die Wellen
den Stränden entrissen, sie gibt nichts zurück.

Und doch liegt sie da, und wartet in Frieden;
Mit weit geöffneten Armen empfängt sie
die nächste Attacke des Ozeans.

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Der Phönix

Ein Phönix schlief in seiner Asche,
so tief und fest, seit Jahren schon.
Fast wie ein Geist in seiner Flasche,
gefangen und kann nicht davon.

Die Zeit vergeht, der Vogel ruht,
beinah vergessen seine Schwingen,
da fährt ein Wind in kalte Glut
und lässt sie neu erglimmen.

Erst knistert's leis, von Zaub'rerhand,
da sieht man schon die ersten Flammen,
Asche gerät erneut in Brand,
der selt'ne Vogel fliegt von dannen.

Asche und Glut, nichts bleibt zurück
er konnt' nicht mehr verweilen,  
erhebt sich in ein neues Glück -
die eignen Tränen heilen!

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Der Sturm

Ein finst'rer Sturm tobt übers Land
mit Fluten, hohen Wolkentürmen,
gerät er außer Rand und Band
ist nicht allein am Stürmen.

Der Wind, er wär‘ noch zu ertragen
man sucht halt Schutz, man meidet ihn.
Doch anderes in diesen Tagen
jagt um die Welt: Es ist der Wahnsinn!

Humor und Witz, brutal erstickt,
gemordet wird, nicht nur im Glauben.
Demokratie, sie wird erdrückt;
die freie Meinung will man rauben.

Terror, Krieg und die Gewalt:
Aus Angst wird neuer Hass entfacht,
und so vergisst man auch schon bald
wie’s ist, wenn man gemeinsam lacht.

Ein Sturm tobt auch in meinem Herzen;
es macht mich fast besinnungslos:
Betäubt bin ich von tausend Schmerzen
und leg‘ die Hände in den Schoß.

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Märchenstunde?

Schon uns'ren Ahnen war bekannt,
das neben uns in diesem Land
auch noch and're Geister hausen
und treiben heimlich ihre Flausen.

Erwachsenen bleibt's meist verborgen,
oft haben sie ganz and're Sorgen,
doch Kinderaugen sehen sie;
vergessen es im Leben nie:

Dort! Ein Kobold huscht durch's grüne Gras,
vom frühen Tau wird er ganz nass!
Und im Schein der Morgensonne
tanzt ein Elfenvolk voll Wonne.

Seht, wie sich das Gegenlicht
in ihren zarten Flügeln bricht!
In einem Loch am Fuss des Berges
verschwindet grad die Mütz' des Zwerges.

Tief in ihren engen Stollen
sind sie sicher vor den Trollen.
Die sieht man nur im Mondenschein,
das Tageslicht macht sie zu Stein.

Unten im Tal, weit in der Ferne
ein Einhorn grast - ich würd' zu gerne
es einmal aus der Nähe seh'n,
und gleiches gilt auch für die Feen!

Sie steigen aus den Nebelschleiern,
um den neuen Tag zu feiern
und auf die Riesen acht zu geben,
damit wir in Frieden leben.

Was soll das alles, denkt ihr vielleicht,
doch zwischen Höll' und Himmelreich
da gibt es noch ganz andere Sachen -
und bitte - denkt jetzt nicht an Drachen!

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Das alte Jahr

Das alte Jahr neigt sich zum Ende,
es bleiben nur noch wenig Stunden!
Nicht jeder freut sich auf die Wende,
und zählt bereits schon die Sekunden.

Das alte Jahr barg dunkle Wochen,
voll Leid denkt mancher dran zurück,
das neue kommt und lässt nun hoffen,
zu starten in ein neues Glück.

Das alte Jahr war andren hold
sie wollen halten diese Zeit,
es brachte Freude und Erfolg,
doch nichts ist für die Ewigkeit.

Nur Kinder sehen es gelassen,
sie leben jetzt - im Augenblick;
ob Freud', ob Leid, 's ist am verblassen,
ist das vielleicht ein Zaubertrick?

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Stille Nacht

Müde geh ich durch die Strassen,
das Tageslicht ist lang verblasst,
kann Gedanken noch nicht fassen,
in mir tobt noch Schmerz und Hast.

Kälte kneift mir in die Nase,
dringt durch Mantel, Hose, Schuh,
Wind zerzaust mir meine Haare,
langsam komm' auch ich zur Ruh'.

Aus dem Dunkel läuten Glocken,
oben schimmern einzeln Sterne,
da gerät mein Schritt ins Stocken,
ergriffen lausch' ich in die Ferne.

Die Glocken singen ihre Lieder,
bis auch der letzte Ton verhallt,
Schnee sinkt jetzt auf mich hernieder,
bedeckt das Dorf, Feld und den Wald.

Und als wäre dies ein Zeichen
springen tausend Lichter an!
Lassen's Dunkel in mir weichen,
vergessen sind bald Schmerz und Gram.

Alles erstrahlt in gold'nem Licht;
horch: Ein Kind lacht auf vor Glück!
Das Fest der Liebe ist in Sicht,
und der Frieden kehrt zurück.

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Freiheit

Hinter Gittern eingesperrt,
saß ein Vogel - wohlgenährt.
Er sang die allerschönsten Lieder,
doch nur das Echo kehrte wieder.
Er hatte Platz genug zum Springen,
doch erhob er seine Schwingen,
blieb nicht einmal der Raum,
zu erfüllen seinen Traum
vom Fliegen.

Er hat schon aufgehört zu hoffen,
da stand der Käfig plötzlich offen.
In dem Gitter klafft' ein Loch,
der Weg war frei - und doch
war der kleine Vogel bange
und blieb sitzen auf der Stange.
Da erklang ein fernes Singen
half die Angst nun zu bezwingen:
Er flog davon.

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Lebenszeichen

Der Nebel ... er beginnt, sich zu lichten.
Der Rausch ... kann den Kummer nicht schlichten.
Der Schmerz ... kehrt zurück - mit glühenden Messern.
In der Zeit ... ruht die Hoffnung, dass Wunden sich bessern.
Die Gefühle ... erwachen - seit einigen Tagen,
und das Herz ... beginnt wieder leise zu schlagen.

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Der Rabe

Ich wollt schon immer
einen Raben haben.
Zwar hab ich schon 'nen Vogel,
nicht im Käfig oder Zimmer,
nein: Dieser arme Tropf
sitzt eingesperrt - in meinem Kopf!
Drum lass ich nun, das find ich nobel,
in Freiheit diesen Flattermann,
damit er fröhlich flattern kann.

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Advent

Ein Stern hüpft - mitten in der kalten Nacht -
vom Himmel hoch auf Deine Nasenspitze!
Er hat Dir etwas mitgebracht
damit er Dir was nütze.
Im Traum wird es Dir warm im Herzen
es ist, als leuchten tausend Kerzen,
er bringt Zufriedenheit und Glück ...
und schwebt zum Firmament - zurück
bleibt doch das Wissen
und wärmt Dich wie die Kissen:
Auch wenn der Stern nicht bleiben kann
beschützt er Dich auf seiner Bahn.

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Der rostige Schlüssel

Meist ist man selbst der Schlüssel zum Glück:
Kaum dreht man sich um, schon kehrt es zurück.
Doch der Schlüssel kann allein sich nicht drehen,
so sehr er sich müht - nichts wird geschehen.
Dem Schloss fehlt's an Öl, und der Schlüssel ist rostig.
Durch die Ritzen der Tür weht sie frostig:
Die Zeit! Ist denn keiner bereit?
Ein kleiner Schubser genügt vielleicht schon,
und die Mechanik befreit sich mit quietschendem Ton!
Will niemand helfen, niemand ihn wecken?
dann bleibt der Schlüssel für immer wohl stecken.

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Die Stille

Stille ist manchmal lauter als ein Schrei,
und manch lauter Schrei bleibt ungehört.

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Frühjahr

Klirrende Kälte, Kristalle von Eis,
farblos, frostig, endloses Weiß,
gefrorene Erde, hart wie Metall,
Wolken so dicht, Schnee überall,
und tiefste Stille verschluckt jeden Laut.

Doch irgendwann folgt Sonne auf Nebel,
Kristalle erstrahlen, Frost lockert den Knebel.
Es kommt die Zeit, da weicht Dunkel dem Licht,
wenn die Schale des Samens im Boden aufbricht,
auf Winter folgt Frühjahr: Endlich! Es taut.

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Liebe

Die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen,
lässt Worte und Seiten eines Buches verschwimmen.
Dann ist es ein treuer Begleiter,
über die Grenzen von Raum und Zeit hinaus,
bis es in deinen Armen gemeinsam mit dir einschläft,
erschöpft von bestandenen Abenteuern.
Wenn du erwachst, liegt es neben dir,
bereit für eine weitere Reise ins Traumland.

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Band 1: Winterland

Band 2: Die Rückkehr